Strategien Für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Die Aktuelle Rechtlichen Entwicklungen: Ein Überblick

Die Bundesregierung hat dem Sustainable Finance-Beirat eine beratende Funktion bei der Ausarbeitung einer nationalen Finanzstrategie übertragen und mit der Ausarbeitung von Handlungsempfehlungen beauftragt. In seinem Zwischenbericht hat der Beirat folgende Handlungsempfehlungen veröffentlicht (Auszug):

  • Ausweitung auf alle Kapitalgesellschaften mit mehr als 500 Mitarbeitern (auch derer, die nicht kapitalmarktorientiert sind nach § 264d HGB).
  • Schrittweiser Ausbau der Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen von nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen und kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs).
  • Einbeziehung von Unternehmen jener Branchen, die besondere materielle Risiken und Auswirkun­gen auf Umwelt, Menschenrechte und andere Nachhaltigkeitsaspekte (sogenannte High-Impact-Sektoren) aufweisen.
  • Klarere und aussagekräftigere Erläuterung (und Erwartungshaltung) an die inhaltlichen Anforderungen der nicht-finanziellen Berichterstattung (u. a. Konzepte/Due Diligence, Ergebnisse und Risiken) entwickeln, bslh. die Themenbereiche Lieferketten, Menschenrechte, Klimaschutz, Compliance.
  • Konkretisierun­gen für die Feststellung der Wesentlichkeit ent­wickelt.
  • Konkretisierung des verwendeten Risikobegriffs vor dem Hinter­grund unterschiedlicher Stakeholdererwartun­gen (u. a. Anteilseigner und Zivilgesellschaft).
  • Stärkere Standardisierung der Veröffentlichung von Nachhaltigkeits-Daten im Hinblick auf Zeitpunkt und Ort der Veröffentlichung, sodass bessere Vergleichbarkeit gewährleistet wird. Idealerweise ist das Ziel hierbei, eine integrative Lösung, die Finanz- und Nachhaltigkeits-Informationen gemeinsam veröffentlicht.
  • Frage nach möglichen An­sätzen der Konsolidierung und Vereinfachung der Berichterstattung sollen im internationalen Kontext unter Berücksichtigung relevanter Ins­titutionen wie u. a. dem International Accounting Standards Board (IASB) und dem International Integrated Reporting Council (IIRC) geklärt werden.

Inhaltliche Ausweitung und Spezifizierung der nicht-finanziellen Berichterstattung um festge­legte Nachhaltigkeitsindikatoren:

  • ungeachtet der Prüfung der Wesentlichkeit bzw. der Steuerungsrelevanz (vgl. § 289c Abs. 3 Satz 5 HGB) wird die Offenlegung eines Kernsets von (ggf. sektorbezogenen) Leistungs­indikatoren vorgeschlagen.
  • Neubewertung des Prognosehorizonts auf mittelfristige (1 bis 5 Jahre) und langfristige (10 bis 20 Jahre) Horizon­te. Die Offenlegung von zukunftsgerichteten Informationen soll sich auf Kerninformationen konzentrieren. Branchendialogen in der Öl- und Gas-, Chemie- und Energiewirtschaft.

Verbesserter Zugang zu Nachhaltigkeits-Infor­mationen durch Digitalisierung und Einrich­tung einer Rohdatenbank. Vorgeschlagene Maßnahmen:

  1. Aufbau einer neuen und idealerweise auf europäischer Ebene geführten Nachhaltigkeits-Rohdatenbank. Ziel: Zentralisierte allgemein zugängliche Datenbank von Nachhaltigkeits-Informationen, die im Zuge der Nachhaltigkeits-Berichtspflicht von Unternehmen veröffentlicht werden.
  2. Aufbauend auf bestehenden Plattformen wie dem elektronischen Bundesanzeiger, Transparenzregister, CDP, DNK oder anderen sind zu prüfen.
  3. Schrittweise Einführung eines standardi­sierten, digitalisierten Reporting-Formats (z. B. XBRL)

Bis zum 3. April werden die Meinungen der Öffentlichkeit auf den Zwischenbericht gesammelt um diese in der nächsten Sitzung des Beirates am 20.05.2020 mit den verantwortlichen Staatssekretären zu diskutieren.

Altersvorsorge

Die europäische Pensionsaufsicht stellt klar, dass Altersvorsorgeeinrichtungen bei der Investitionen in Aktien oder Renten nicht verpflichtet sind, sogenannte ESG-Kriterien (Environmental, Social and Governance beziehungsweise Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) zu berücksichtigen.

Die Einrichtungen der BAV haben keine Verpflichtung, sondern lediglich die Option, bei Investitionen ESG-Kriterien zu berücksichtigen. Alleinig besteht die Auskunftspflicht gegenüber den Versorgungsanwärtern, ob und inwieweit Umwelt-, Klima-, soziale und Unternehmensführungsaspekte in der Anlagepolitik berücksichtigt werden.

Laut Expertenmeinung müssen allerdings die Risiken, die mit der Nichteinhaltung von ESG-Kriterien entstehen, zur Kenntnis genommen werden. Die EU startet eine Initiative zur Aktualisierung der Nichtfinanzberichterstattung (NFRD). Der IASB kündigte an, im Laufe des Jahres eine erneuerte nachhaltige Strategie, die eine Überarbeitung der Richtlinie über die Nichtfinanzberichterstattung (NFRD) umfassen wird, vorzulegen.

Inception Impact Assessment

Als erster Schritt wurde ein „Inception Impact Assessment“ veröffentlicht. Das Papier zeigt die folgenden aktuellen Probleme auf:

  • Die berichteten nicht-finanziellen Informationen sind nicht ausreichend vergleichbar oder zuverlässig.
  • Die berichteten Nicht-finanziellen-Informationen entsprechen nicht den Bedürfnissen der Nutzer.
  • Dadurch entstehen den Unternehmen unnötige und vermeidbare Kosten, verbunden mit hoher Komplexität.

Lösungen

Die IASB nennt drei Optionen, die zur Lösung dieser Probleme verfolgt werden könnten:

  • Fortsetzung des derzeitigen Ansatzes unverbindlicher Leitlinien, um Unternehmen bei der Berichterstattung gemäß der NFRD zu unterstützen.
  • Untersuchung der Verwendung von Standards (deren Anwendung für Unternehmen freiwillig bleibt, wenn sie dies wünschen).
  • Überarbeitung und Stärkung der Bestimmungen der NFRD.

Die Interessenvertreter haben die Möglichkeit, sich zur Folgenabschätzung in Q1/20 zu äußern.

Envoria verfolgt die rechtlichen Diskussionen. Neue gesetzliche Anforderungen werden unverzüglich in unserer Software umgesetzt.

Trusted by

Our customers

Machen Sie sich selbst ein Bild

Füllen Sie einfach das untenstehende Formular aus und wir melden uns bei Ihnen.