Verordnungen zum Nachhaltigkeitsreporting

CSRD – Corporate Sustainability Reporting Directive

Die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD) schafft einen einheitlichen Rahmen für die Berichterstattung über nichtfinanzielle Daten für Unternehmen in der Europäischen Union. Ziel der Richtlinie ist es, Investoren, Organisationen der Zivilgesellschaft, Verbrauchern, politischen Entscheidungsträgern und anderen Stakeholdern dabei zu unterstützen, die nichtfinanzielle Leistung großer Unternehmen zu erfassen und so die Geschäftswelt in eine nachhaltigere Zukunft zu führen. Die CSRD überarbeitet die Richtlinie 2014/95/EU - auch Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung (NFRD) genannt - und verpflichtet zu detaillierteren Informationen über Nachhaltigkeitsziele und -kennzahlen. Das Konzept der doppelten Wesentlichkeit ist in der CSRD als Grundsatz verankert. Dies bedeutet, dass Unternehmen über die Wesentlichkeit der Auswirkungen der eigenen wirtschaftlichen Tätigkeit und die Auswirkungen von Umweltveränderungen auf die eigene finanzielle Materialität berichten müssen. Die CSRD ist an die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) und die EU-Taxonomie angeglichen.

Wer ist betroffen?

EU-Unternehmen sind verpflichtet, gemäß der CSRD Bericht zu erstatten, wenn sie zwei der folgenden drei Kriterien erfüllen:

  • Mehr als 250 Beschäftigte und/oder

  • Nettoumsatz von mehr als 40 Mio. EUR Umsatz und/oder

  • Bilanzsumme von mehr als 20 Mio. EUR

Kapitalmarktnotierte KMU müssen die CSRD mit einer verlängerten Frist und einer Opt-out-Option bis 2028 umsetzen. Nicht-EU-Unternehmen sind verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht vorzulegen, wenn sie in der EU einen Nettoumsatz von 150 Mio. EUR erzielen und mindestens eine Tochtergesellschaft oder Niederlassung in der EU haben.

Unternehmen haben auch die Möglichkeit, freiwillig zu berichten. Für KMU, die nicht unter die Richtlinie fallen, werden derzeit vereinfachte Berichtsstandards entwickelt.

Was müssen Unternehmen beachten?

Gemäß der CSRD sind Unternehmen verpflichtet, ihren Geschäftsbericht um eine nichtfinanzielle Erklärung zu erweitern. Der Bericht sollte auf der Grundlage der Leitlinien der Europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS) aufgebaut sein, die von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) entwickelt werden.

In diesem Bericht sind Unternehmen verpflichtet, die bestehenden Elemente des NFRD offen zu legen, darunter:

  • Umweltschutz

  • Soziale Verantwortung und Umgang mit den Mitarbeitern

  • Achtung der Menschenrechte

  • Korruptions- und Bestechungsbekämpfung und

  • Diversität in Unternehmensvorständen

sowie neue Elemente, darunter:

  • Doppeltes Wesentlichkeitskonzept: die Auswirkungen des Unternehmens auf die Gesellschaft und die Umwelt sowie die Nachhaltigkeitsrisiken, die das Unternehmen betreffen

  • Prozess der Auswahl materieller Themen für Stakeholder

  • Ziele und Fortschritte von Nachhaltigkeitsinitiativen

  • Informationen über immaterielle Werte (z. B. soziales, menschliches und geistiges Kapital)

  • Angaben im Einklang mit der Verordnung über die Offenlegung von Informationen über nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance Disclosure Regulation - SFDR) und der EU-Taxonomieverordnung.

Darüber hinaus müssen Unternehmen die berichteten Informationen mit einem digitalen "Etikett " versehen, so dass sie maschinenlesbar sind und in die im Aktionsplan der Kapitalmarktunion vorgesehene europäische zentrale Anlaufstelle einfließen können.

Außerdem muss ein unabhängiger Prüfer oder Zertifizierer sicherstellen, dass die Nachhaltigkeitsinformationen mit den von der EU angenommenen Zertifizierungsstandards übereinstimmen.

Andere relevante Standards, deren Anwendung erwartet wird sind:

  • PCAF & GHG Protocol: Metriken, Messung

  • SBTi: Zielsetzung

  • PACTA: Analyse von Klimaszenarien

Wann müssen Unternehmen Bericht erstatten?

Die Berichtspflicht wird über einen Zeitraum von vier Jahren ab 2024 in Kraft treten. Der entsprechende Bericht sollte spätestens vier Monate nach Ende des angegebenen Geschäftsjahres veröffentlicht werden.

  • 2025 (für das Berichtsjahr 2024): Große Unternehmen, die derzeit in den Anwendungsbereich der Richtlinie über die nichtfinanzielle Berichterstattung (NFRD) fallen

  • 2026 (für das Berichtsjahr 2025): Alle großen Unternehmen, die derzeit nicht unter die Richtlinie über die nichtfinanzielle Berichterstattung (NFRD) fallen

  • 2027 (für das Berichtsjahr 2026): Am Kapitalmarkt notierte KMU (mit Opt-out-Option bis 2028), kleine und nicht komplexe Kreditinstitute und gruppeneigene Versicherungsunternehmen.

  • 2028 (für das Berichtsjahr 2027): Alle Unternehmen, die unter die CSRD fallen, einschließlich Nicht-EU-Unternehmen mit EU-Zweigniederlassungen oder Tochtergesellschaften

Quelle:

https://www.bnw-bundesverband.de/corporate-sustainability-reporting-directive-csrd/#1651836075314-741e4fdc-66d2

EUT – EU Taxonomie

Mit der Verabschiedung des Green Deal im Jahr 2019 hat die Europäische Union (EU) die Weichen für mehr nachhaltige Investitionen in Bereichen wie erneuerbare Energien, Biodiversität oder Kreislaufwirtschaft gestellt. Oberstes Ziel ist es, bis 2050 eine klimaneutrale Wirtschaft in der EU zu erreichen, mit einer Reduktion von 55% bis 2030. Um diese Klimaziele zu erreichen, umfasst der Green Deal einen Investitionsplan von 1 Billion Euro für die nächsten 10 Jahre. Doch trotz dieser enormen Investitionen ist die EU auch auf die Unterstützung des Privatsektors angewiesen, um das Pariser Klimaabkommen zu erreichen. Hier kommt die EU-Taxonomie-Verordnung ins Spiel. Ziel der EU-Taxonomie-Verordnung ist es, Kapitalströme auf nachhaltige Investitionen auszurichten, Nachhaltigkeit als Bestandteil des Risikomanagements zu etablieren und langfristige Investitionen und wirtschaftliche Aktivitäten zu fördern.

Wer ist von der Verordnung betroffen?

Die EU-Taxonomie berücksichtigt unterschiedliche Bedingungen und Verpflichtungen für verschiedene Wirtschaftsakteure. Diese Akteure werden in drei Gruppen unterteilt:

  1. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten, wenn öffentliche Maßnahmen, Standards oder Labels für grüne Finanzprodukte oder (Unternehmens-)Anleihen festgelegt werden

  2. Finanzmarktteilnehmer, einschließlich der Anbieter von betrieblicher Altersvorsorge, die Finanzprodukte in der EU anbieten und vertreiben (einschließlich derer aus Ländern außerhalb der EU)

  3. Unternehmen (mit mehr als 500 Mitarbeitern), die unter die Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung (NFRD) fallen
    1. Dies wird ab 2025 auf Unternehmen ( mehr als 250 Beschäftigten), die unter die Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSDR) fallen, geändert. Ein wichtiger Hinweis: Während der erste Bericht zu Beginn des Berichtsjahres 2025 fällig ist, muss der Bericht Angaben für das Berichtsjahr 2024 enthalten..

Was genau ist die EU Taxonomie?

Die EU-Taxonomie ist im Wesentlichen ein Rahmen zur Klassifizierung "grüner" oder "nachhaltiger" Wirtschaftstätigkeiten in der EU. Bisher gab es keine klare Definition von grünen, nachhaltigen oder umweltfreundlichen Geschäftstätigkeiten, und Unternehmen konnten allerlei Arten von "Greenwashing" betreiben, vor allem weil es keine klare Anleitung dafür gab, wie grüne, nachhaltige oder umweltfreundliche Geschäftstätigkeiten durchzuführen sind. Die EU-Taxonomieverordnung soll hier Klarheit schaffen, indem sie eindeutig definiert, wann ein Unternehmen nachhaltig oder umweltfreundlich wirtschaftet. Diese neue Form der Klassifizierung stellt einen Wettbewerbsvorteil für aufrichtig nachhaltige Unternehmen dar, da es für Investoren und die Öffentlichkeit einfacher sein wird, zwischen einem Unternehmen, das nachhaltig ist, und einem Unternehmen, das vorgibt, nachhaltig zu sein, zu unterscheiden.

In der EU-Taxonomie wird das Konzept der Nachhaltigkeit in sechs verschiedene Umweltziele unterteilt.

  1. Klimaschutz

  2. Anpassung an den Klimawandel

  3. Nachhaltiger Einsatz von Wasser- oder Meeresressourcen

  4. Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft

  5. Vorbeugung oder Kontrolle von Umweltverschmutzung

  6. Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen

Um gemäß der EU-Taxonomieverordnung als nachhaltige Wirtschaftstätigkeit eingestuft zu werden, muss ein Unternehmen zu mindestens einem Umweltziel beitragen, darf aber auch die übrigen fünf Ziele nicht beeinträchtigen. So kann beispielsweise eine Geschäftstätigkeit, die darauf abzielt, CO2-Emissionen zu verringern, sich aber gleichzeitig negativ auf die biologische Vielfalt auswirkt, nicht als nachhaltig eingestuft werden. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen. Nehmen wir an, Ihr Unternehmen ist ein Automobilhersteller, der Elektroautos produziert. Eine Ihrer Tätigkeiten könnte die Herstellung der Lithium-Ionen-Batterie sein, die in die Autos eingebaut wird. Um diese spezifische Wirtschaftstätigkeit als nachhaltig einzustufen, müssen wir zunächst feststellen, ob die Tätigkeit Taxonomie-fähig ist, und dann prüfen, ob die Taxonomie-fähige Tätigkeit Taxonomie-konform ist.

Um die Taxonomie-Fähigkeit einer Tätigkeit zu bestimmen, muss zunächst geprüft werden, ob die EU geeignete technische Prüfkriterien für die jeweilige Tätigkeit festgelegt hat. Die taxonomischen Tätigkeiten entsprechen in der Regel der NACE-Codestruktur, oder offiziell der "Statistischen Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft". Dies ist die in der Europäischen Union verwendete Standardklassifikation der Industrie.


Wenn eine Tätigkeit Taxonomie-fähig ist, muss geprüft werden, ob sie den von der Technischen Sachverständigengruppe der EU entwickelten technischen Prüfkriterien entspricht. Diese Kriterien sind:

  • Die wirtschaftliche Tätigkeit trägt zu einem der sechs Umweltziele bei

  • Die Wirtschaftstätigkeit schadet keinem der sechs Umweltziele in nennenswertem Umfang (DNSH, does no significant harm).

  • Die Wirtschaftstätigkeit erfüllt "Minimum safeguards" wie die UN Guiding Principles on Business and Human Rights, um keine negativen sozialen Auswirkungen zu haben.

Beispiel A:

  • Die Geschäftstätigkeit ist "Herstellung von Batterien"

  • Die EU hat technische Screening-Kriterien für die "Herstellung von Batterien" definiert - daher ist diese Tätigkeit Taxonomie-fähig

  • Die Tätigkeit erfüllt alle Aspekte der technischen Screening-Kriterien für die "Herstellung von Batterien" und ist daher Taxonomie-konform

Beispiel B:

  • Die Geschäftstätigkeit ist "Herstellung einer Leiterplatte"

  • Die EU hat keine technischen Prüfkriterien für die "Herstellung einer Leiterplatte" definiert - daher ist sie nicht Taxonomie-fähig

  • Da die Tätigkeit nicht Taxonomie-fähig ist und keine technischen Prüfkriterien existieren, kann sie nicht Taxonomie-konform sein

Was muss offengelegt werden?

Nachdem ein Unternehmen seine wirtschaftlichen Aktivitäten erfasst und den Status seiner Taxonomie-Fähigkeit und -Konformität bestimmt hat, muss das Unternehmen den Anteil der Einnahmen und Ausgaben offenlegen, der als nachhaltig eingestuft werden kann. Dies geschieht durch die Konzentration auf drei KPIs:

  1. EU-Taxonomie-konformer Anteil am Nettoumsatz

  2. Summe der EU-Taxonomie-konformen Investitionsausgaben (CapEx)

  3. Summe der EU-Taxonomie-konformen Betriebsausgaben (OpEx)

Alle diese Kennzahlen sollten nach denselben Rechnungslegungsgrundsätzen berechnet werden, die auch für die Jahresabschlüsse des Unternehmens gelten. Als erstes betrachten wir den Umsatz.

Der Nettoumsatz bezieht sich auf die aus dem Verkauf von Produkten und Dienstleistungen erzielten Beträge nach Abzug von Erlösschmälerungen, Mehrwertsteuer und anderen direkt mit dem Umsatz verbundenen Steuern (Rechnungslegungsrichtlinie, 2013/34/EU). Um den EU-Taxonomie-konformen Anteil am Umsatz zu berechnen, muss Ihr Unternehmen den gesamten EU-Taxonomie-konformen Umsatz durch den gesamten Nettoumsatz dividieren. Wenn Ihr Unternehmen eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübt, die zu mehr als einem Umweltziel beiträgt, muss der jeweilige Umsatz auf jedes der Ziele aufgeteilt werden, um eine Doppelzählung zu vermeiden.

Investitionsausgaben (CapEx) werden als Zugänge zu Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten während des Geschäftsjahres klassifiziert. Einschließlich:

  • Sachanlagen (IAS 16)

  • Immaterielle Vermögenswerte (IAS 38)

  • Als Finanzinvestition gehaltene Immobilien (IAS 40, mehrere Punkte)

  • Landwirtschaft (IAS 41)

  • Leasingverhältnisse (IAS 16)

Um die EU-Taxonomie-Verordnung einzuhalten, müssen Unternehmen die aktuellen (und geplanten) Anteile ihrer Investitionsausgaben für Vermögenswerte oder Prozesse offenlegen, die mit Taxonomie-konformen wirtschaftlichen Tätigkeiten verbunden sind. Zur Berechnung des EU-Taxonomie-konformen Anteils am Umsatz muss Ihr Unternehmen die gesamten Investitionsausgaben der Taxonomie-konformen Wirtschaftstätigkeiten durch die gesamten Netto-Investitionsausgaben dividieren. Auch hier gilt: Wenn Ihr Unternehmen eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübt, die zu mehr als einem Umweltziel beiträgt, müssen die entsprechenden Investitionsausgaben auf die einzelnen Ziele aufgeteilt werden, um Doppelzählungen zu vermeiden.

Betriebsausgaben (OpEx) sind direkte Ausgaben, die sich auf die tägliche Instandhaltung von Vermögenswerten des Sachanlagevermögens beziehen und die notwendig sind, um die fortlaufende und effektive Nutzung dieser Vermögenswerte zu gewährleisten (z. B. Forschung und Entwicklung, Gebäudesanierungsmaßnahmen, kurzfristige Vermietung, Wartung und Reparatur).

Die OpEx von taxonomie-fähigen Aktivitäten bezieht sich auf Ausgaben, die:

  • im Zusammenhang mit Vermögenswerten und Prozessen stehen, die mit Taxonomie-fähigen wirtschaftlichen Aktivitäten verbunden sind, einschließlich Schulungsmaßnahmen und sonstigem Anpassungsbedarf der Personalressourcen, sowie direkte nicht aktivierbare Kosten, die Forschung und Entwicklung darstellen

  • Teil des Investitionsplans sind, oder

  • sich auf den Erwerb von Produkten aus Taxonomie-fähigen Wirtschaftstätigkeiten und Einzelmaßnahmen beziehen, die es den Zieltätigkeiten ermöglichen, kohlenstoffarm zu werden oder zu Treibhausgasreduktionen zu führen, sofern die Maßnahmen innerhalb von 18 Monaten (2021/2178/EU) einsatzbereit sind.

Zusätzlich zu den drei genannten KPIs müssen Unternehmen begleitende qualitative Informationen über die Berechnung und die Hauptelemente der KPIs offenlegen, die im Delegierten Rechtsakt über die Offenlegung (2021/2178/EU) beschrieben sind. Dies umfasst:

  • Rechnungslegungsgrundsätze (d. h. wie Ihr Unternehmen Umsatz, Investitions- und Betriebsausgaben berechnet hat und wie es jeden KPI den entsprechenden wirtschaftlichen Tätigkeiten zugewiesen hat).

  • Die Bewertung der Übereinstimmung mit der Taxonomie-Verordnung (d. h. wie Ihr Unternehmen die Taxonomie-Fähigkeit und -Konformität jeder wirtschaftlichen Tätigkeit in Übereinstimmung mit den technischen Kriterien bestimmt hat und wie es Doppelzählungen vermieden hat).

  • Kontextinformationen zu Umsatz-KPI, CapEx-KPI und OpEx-KPI (d. h. wie Ihr Unternehmen die einzelnen KPIs aufgeschlüsselt hat, einschließlich des CapEx-Plans und etwaiger Änderungen).

Nachdem Ihr Unternehmen den EU-Taxonomie-konformen Anteil oder Betrag jeder Kennzahl ermittelt und die qualitativen Informationen zusammengestellt hat, besteht der letzte Schritt darin, den Bericht zu erstellen. Der Bericht ist anhand der in Anhang II des Delegierten Rechtsakts über die Offenlegung enthaltenen Vorlagen zu strukturieren.

Wie zu sehen ist, gibt es viele Komponenten, die berücksichtigt werden müssen. Zur Veranschaulichung des EU-Taxonomie-Berichtsprozesses könnte ein Beispiel hilfreich sein. Nehmen wir an, ein Zementunternehmen renoviert und baut zwei Anlagen um, wobei der Umsatz und die Investitionsausgaben als Taxonomie-konform gelten:

Ein Zementunternehmen möchte zwei seiner Werke, die 50 % seines Umsatzes ausmachen, renovieren und umbauen. Die Renovierung der Zementanlagen umfasst die Umrüstung zur Erreichung einer hohen Energieeffizienz, den verstärkten Einsatz von Mischmaterialien zur Senkung des Klinker-Zement-Verhältnisses auf unter 0,65 sowie den Einsatz alternativer Klinker und Bindemittel. Es wird erwartet, dass die Zementproduktionsanlagen eine thermische Energieintensität von etwa 3 GJ/t Klinker und eine Kohlenstoffintensität entsprechend der Taxonomie erreichen. Eine Bewertung des Klimarisikos der Anlagen auf der Grundlage von Klimadaten zeigt, dass die Anlagen überflutungsgefährdet sind. Ihr Unternehmen beschließt, die Kapazität der Entwässerungssysteme zu erhöhen, um sie widerstandsfähiger gegen Überschwemmungen zu machen. Die Kosten für die Anpassung der Anlagen werden auf 5 Mio. EUR pro Anlage geschätzt. Die Gesamtsanierung der Anlagen beläuft sich auf 500 Mio. EUR, was 80 % der Investitionsausgaben Ihres Unternehmens ausmacht. Ihr Unternehmen möchte sich auf dem Kapitalmarkt Mittel beschaffen und emittiert eine grüne Anleihe auf der Grundlage des EU-Standards für grüne Anleihen, der die Einhaltung der DNSH-Kriterien sowohl für die Abschwächung als auch für die Anpassung beinhaltet. Die Anleihe wird also Taxonomie-konform sein. Sobald die Arbeiten zur Eindämmung des Klimawandels abgeschlossen sind, könnte Ihr Unternehmen behaupten, dass der gesamte Umsatz aus diesen beiden Anlagen (50 % des Umsatzes Ihres Unternehmens) sowie 80 % seiner Investitionsausgaben Taxonomie-konform sind.

Ein weiteres Szenario könnte darin bestehen, dass ein Unternehmen seinen Hauptsitz so umgestalten möchte, dass sein gesamter Betrieb klimaresistent wird (d. h., es möchte die entsprechenden Investitionen als Taxonomie-konform anrechnen). Zuallererst ist es wichtig zu wissen, dass die Renovierung des Hauptsitzes nur dann EU-Taxonomie-konform ist, wenn keine der Anlagen der Gewinnung, Lagerung, dem Transport oder der Herstellung fossiler Brennstoffe dient. Im weiteren Verlauf führt Ihr Unternehmen zunächst eine Klimarisikobewertung durch, um die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf den Hauptsitz und andere Unternehmensgebäude zu analysieren. Die Bewertung stützt sich auf Klimadaten und zeigt, dass Überschwemmungen und extreme Hitze die Hauptrisiken für den Hauptsitz sind, während außerdem einige der Einrichtungen durch Überschwemmungen gefährdet sind. Ihr Unternehmen legt daraufhin mehrere Maßnahmen fest, um das ermittelte Risiko deutlich zu verringern. Dazu gehören Maßnahmen zur passiven Kühlung und zur Erhöhung der Kapazität der Entwässerungssysteme. Der Aktionsplan umfasst auch eine Folgenabschätzung, um sicherzustellen, dass die umzusetzenden Maßnahmen mit den lokalen und regionalen Anpassungsbestrebungen übereinstimmen und den DNSH-Kriterien für Gebäude entsprechen. Ihr Unternehmen schätzt die Gesamtkosten der vorgeschlagenen Änderungen auf 50 Mio. EUR, für die es mehrere Darlehen über einen Zeitraum von drei Jahren beantragen wird. Der Plan beginnt mit der Anpassung des Hauptsitzes mit geschätzten Kosten von 10 Mio. EUR - Gegenstand des ersten Darlehens. Diesem ersten Darlehen können weitere Darlehen oder z. B. eine Anleihe in Höhe von 40 Mio. EUR im Rahmen einer Privatplatzierung folgen.

Jedes der Darlehen ist mit den Kriterien der Taxonomie konform, auch wenn eines der Darlehen (z. B. das erste Darlehen in Höhe von 10 Mio. EUR) für sich genommen nicht alle wesentlichen Klimarisiken für die Geschäftstätigkeit Ihres Unternehmens verringert; es ist eine notwendige Maßnahme in einem umfassenderen, zeitlich begrenzten Plan zur Anpassung des Gesamtvermögens Ihres Unternehmens. Die kreditgebende Bank könnte die Kredite bündeln und so die 50 Mio. EUR als grün und 100% Taxonomie-konform ausweisen.

Was sind die Vorteile der EU-Taxonomie-Kennzeichnung?

Veröffentlicht ein Unternehmen seinen EU-Taxonomie-konformen Umsatzanteil, gibt dies ein klares Bild davon, wo das Unternehmen derzeit in Bezug auf die EU-Nachhaltigkeitsziele steht. So können Investoren den Prozentsatz ihrer Mittel bestimmen, den sie in Taxonomie-konforme Bereiche investieren.

Die Investitionsausgaben (CapEx) hingegen geben den Anlegern ein Gefühl für die Ausrichtung eines Unternehmens. So lässt sich die Glaubwürdigkeit der Unternehmensstrategie beurteilen, und Anleger können leichter erkennen, ob sie mit dem strategischen Ansatz des Unternehmens einverstanden sind. Unternehmen, die ihre Investitionen gemäß der EU-Taxonomie offenlegen, liefern wichtige Informationen für den Aufbau grüner Portfolios und für die Analyse der Leistungen und Strategien des Unternehmens in Bezug auf den ökologischen Wandel und Nachhaltigkeit. Frühzeitige nachhaltigkeitsorientierte Wirtschaftsaktivitäten und entsprechende Investitionen können so weitere Investitionen anziehen und sich als Wettbewerbsvorteil erweisen. Für eine bestmögliche Transparenz empfiehlt die EU, dass die vollständige Taxonomieberechnung für jedes Umweltziel getrennt ausgewiesen wird. So ist auch erkennbar, welches Umweltziel am umfassendsten erfüllt wird.

Wie hilft eine Software Unternehmen bei der Umsetzung der EU-Taxonomie?

Trotz aller verfügbaren Anleitungsmaterialien kann die EU-Taxonomie eine schwierig zu handhabende Verordnung sein, insbesondere für größere Unternehmen mit mehreren Wirtschaftsaktivitäten, die über mehrere Standorte oder Unternehmen verteilt sind. Mit Envoria kann die Einhaltung der Vorschriften sichergestellt und die Effizienz gesteigert werden, indem der Berichtsprozess für die EU-Taxonomie vollständig automatisiert wird. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Sie Ihre Berichterstattung mit Software effizienter gestalten können, besuchen Sie www.envoria.com und fragen Sie noch heute eine kostenlose Testversion an.

Hilfreiche Tipps

Die EU-Taxonomieverordnung verpflichtet Unternehmen nicht, relevante wirtschaftliche Aktivitäten als Übergangs- oder Befähigungstätigkeiten zu kategorisieren. Die EU empfiehlt jedoch, dies zu tun, da Finanzinstitute verpflichtet sind, diese Aspekte in ihren Portfolios offenzulegen. Ein solches Unternehmen macht sich für potenzielle Investoren attraktiver.

Unternehmen, die nach der EU-Taxonomie berichtspflichtig sind, sind auch durch die Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung (NFRD), der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSDR) und anderen Richtlinien verpflichtet, Informationen offenzulegen, die die Entwicklung, die Leistung, die Lage und die Auswirkungen eines Unternehmens auf Umweltfragen veranschaulichen. Dieser Rahmen kann genutzt werden, um einen Überblick über die EU-Taxonomie-bezogenen Informationen zu Umsatz und Investitionen zu geben.

Andere freiwillige Angaben (z. B. auf Projektbasis) können aufgeführt werden, auch wenn diese nicht unmittelbar von der EU-Taxonomie vorgeschrieben werden. Die EU empfiehlt, alle Investitionsausgaben (CapEx) und ausgewählte Betriebsausgaben (OpEx), wie z. B. Wartungskosten für umweltfreundliche Anlagen, die entweder die Lebensdauer oder den Wert der Anlagen erhöhen, sowie Forschungs- und Entwicklungskosten anzugeben. Betriebskosten, wie z. B. Anschaffungs- und Leasingkosten, sind normalerweise (mit einigen Ausnahmen) nicht Taxonomie-konform.

Quellen:

https://ec.europa.eu/info/sites/default/files/business_economy_euro/banking_and_finance/documents/200309-sustainable-finance-teg-final-report-taxonomy_en.pdf

https://ec.europa.eu/info/publications/sustainable-finance-renewed-strategy_en

https://ec.europa.eu/info/sites/default/files/business_economy_euro/banking_and_finance/documents/200309-sustainable-finance-teg-final-report-taxonomy_en.pdf

https://ec.europa.eu/info/publications/sustainable-finance-renewed-strategy_en

SFDR - Sustainable Finance Disclosure Regulation

Die EU-Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzprodukte (Sustainable Finance Disclosure Regulation - SFDR) ist ein Regelwerk, das Asset Manager und andere Finanzmarktteilnehmer dazu verpflichtet, Informationen darüber bereitzustellen, wie sie mit negativen Auswirkungen ihrer Investitionen auf die Umwelt und die Gesellschaft umgehen. Diese vorgeschriebene Transparenz ermöglicht es Anlegern, die Nachhaltigkeitsperformance von Finanzprodukten besser zu vergleichen und Greenwashing in der Branche zu reduzieren.

Die SFDR wurde von der Europäischen Kommission zusammen mit der Taxonomie-Verordnung und der Low Carbon Benchmarks-Verordnung als Ergebnis des Aktionsplans der Europäischen Kommission für nachhaltige Finanzen eingeführt.

Quelle: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=celex%3A32019R2088

EUSCA – EU Supply Chain Act

Der European Supply Chain Act (EUSCA) verpflichtet Unternehmen in der Europäischen Union, ihre Lieferanten entlang der gesamten globalen Lieferkette zu überprüfen. Ziel des Gesetzes ist es, sicherzustellen, dass alle Lieferanten eines Unternehmens die europäischen Menschenrechtsstandards und Umweltschutzziele einhalten, was wiederum eine gerechtere und nachhaltigere Weltwirtschaft fördern soll.

Wer ist betroffen?

  • Alle in der EU ansässigen Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten und einem Umsatz von mindestens 150 Mio. EUR

  • Unternehmen in Hochrisikosektoren mit mehr als 250 Beschäftigten und einem Umsatz von 40 Mio. EUR (z. B. Textil- und Lederindustrie, Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Bergbau)
    • Diesen Unternehmen wird eine zweijährige Übergangsfrist eingeräumt.

  • Kleine und mittlere Unternehmen sind zwar nicht direkt von dem Gesetz betroffen, wohl aber indirekt, wenn sie Zulieferer eines Großunternehmens sind.

Welche Verstöße sind in dem Gesetz aufgeführt?

Wenn ein Zulieferer, mit dem ein Unternehmen regelmäßig zusammenarbeitet, gegen eines der im Supply Chain Act genannten Menschenrechts- oder Umweltschutzziele verstößt, kann das Unternehmen zivilrechtlich haftbar gemacht werden. Zu diesen Verstößen gehören:

  • Zwangsarbeit

  • Kinderarbeit

  • Unzureichender Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz

  • Ausbeutung von Arbeitnehmern

  • Umweltverstöße in Bezug auf Treibhausgasemissionen, Umweltverschmutzung oder die Zerstörung der biologischen Vielfalt oder von Ökosystemen

Was müssen Unternehmen tun?

  1. Ermittlung tatsächlicher (oder potenzieller) negativer Auswirkungen auf die Menschenrechte und die Umwelt und Ergreifung geeigneter Maßnahmen, um diese zu mindern

  2. Integration von Verfahren zur Sorgfaltsprüfung in der Lieferkette in die Unternehmensrichtlinien

  3. Einrichtung eines Verfahrens für Beschwerden und Gewährleistung, dass jeder in der Lieferkette Zugang dazu hat

  4. Veröffentlichung von Informationen über die Erfüllung der Sorgfaltspflichten des Unternehmens im Jahresbericht des Unternehmens

  5. Kontrolle und Überwachung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen innerhalb des Unternehmens

  6. Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 150 Mio. EUR müssen ihre internen Richtlinien an dem Ziel des Pariser Abkommens ausrichten, die Erwärmung der Erde auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen

Quelle:

https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_22_1145


CSR-RUG – CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetz

Die CSR-RUG-Verordnung basiert auf der EU-Richtlinie 2014/95/EU, die große Unternehmen zur Veröffentlichung nichtfinanzieller Informationen verpflichtet. Die Verordnung ist Anfang 2017 in Kraft getreten.

Wer ist betroffen?

  • Kapitalmarktorientierte Unternehmen und Versicherungsgesellschaften sowie Kreditinstitute mit mindestens 500 Mitarbeitern

  • Die Umsatzerlöse betragen mindestens 40 Mio. €

ODER

  • Die Bilanzsumme beträgt mindestens 20 Mio. €.

Was müssen betroffene Unternehmen beachten?

Die Unternehmen müssen nicht-finanzielle Informationen melden, die Kennzahlen für die folgenden Bereiche enthalten:

  • Umweltaspekte

  • Soziale Aspekte

  • Achtung der Menschenrechte

  • Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung

  • Das Geschäftsmodell des Unternehmens

Welche Standards können verwendet werden?

Das CSR-RUG verpflichtet nicht dazu, einen bestimmten Standard für die Berichterstattung zu verwenden. Zur Auswahl stehen für betroffene Unternehmen der DNK (Deutscher Nachhaltigkeitskodex), GRI, UN Global Compact, EMAS oder ISO 26000.

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